Transaktionsanalyse | Überblick

Die Transaktionsanalyse (TA) wurde Ende der 1960 Jahre durch das Buch „Spiele der Erwachsenen“ in Deutschland bekannt. In der Folge wurde die TA breit angewendet, wohl auch wegen der griffigen und konkreten Sprache und der einfachen und nachvollziehbaren Konzepte. Diese große Popularität hat dazu geführt, dass die TA zunehmend kritisch gesehen, und sehr kontrovers diskutiert wurde, insbesondere in Bezug auf die Überschätzung der TA als „Allheilmittel“.

Seit einigen Jahren wird die TA wieder als eine Methode ernst genommen, die in unterschiedlichen Anwendungsfeldern wertvolle Impulse und Anregungen geben kann. Neben dem Einsatz in der Psychotherapie wird die TA auch in den Bereichen Beratung, Pädagogik und Erwachsenenbildung eingesetzt, und im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung.

Transaktionsanalyse im Coaching

Im Coaching eignet sich die TA insbesondere, um Kommunikation zu beobachten, zu beschreiben und zu verstehen. Das Modell lässt sich schnell erklären und nachvollziehen, und kann deshalb unmittelbar zur Analyse von Transaktionen eingesetzt werden. Mit Transaktionen sind die kleinsten Kommunikationseinheiten zwischen Personen gemeint, also eine Äußerung und eine Antwort darauf (Paul: „Gibst Du mir mal den Stift?“, Paula: „Bitteschön.“ ). Auch nonverbale Botschaften sind dabei Teil einer Transaktion (z.B. wenn Paula nur genickt hätte, oder Paul nur den Stift gereicht hätte).

Die TA bietet ein Modell, um

  • menschliches (Kommunikations-)Verhalten zu analysieren,
  • Ursachen von Störungen in der Kommunikation klar zu machen,
  • Konflikte zu verstehen und
  • eigenes Verhalten zu reflektieren und zu verändern.

Ich stelle Ihnen im Folgenden die wesentlichen Ideen der Transaktionsanalyse vor ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Insbesondere die Einsatzmöglichkeiten der Transaktionsanalyse in der Psychotherapie, und die dafür notwendigen Konzepte der Skriptelemente / Skriptsysteme, die vorgeschlagenen Rollen und Spiele, und die Unterscheidungen von Gefühlen und Gegengefühlen werden hier nicht erklärt.

Ziel ist, Ihnen einen kurzen Einblick in grundlegende Ideen zu geben, und die Transaktionsanalyse für den Einsatz im Coaching nutzbar zu machen.

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Strukturmodell der Ich-Zustände

Mit Ich-Zuständen werden Muster beschrieben, die sich jeweils durch bestimmtes Denken, Fühlen und Verhalten auszeichnen. Es handelt sich bei den Ich-Zuständen nicht um unterschiedliche Persönlichkeitstypen, sondern um Zustände, die in Ihrer Gesamtheit die Persönlichkeit eines Menschen beschreiben. Die Ich-Zustände werden dabei je nach Situation aktiviert und kommen in unterschiedlichem Ausmaß zum Tragen. Aus den Ich-Zuständen ergeben sich im nächsten Schritt bestimmte Verhaltensweisen oder Haltungen.

Eltern-Ich

Mit dem Eltern-Ich lassen sich Verhaltensweisen, Einstellungen / Gedanken und Gefühle beschreiben, die Sie von Ihren Eltern oder anderen Autoritäten übernommen haben. Dazu gehören Normen und Regeln, Verbote, Gebote aber auch ethische und moralische Vorstellungen und Vorurteile. Im ich.raum Coaching-Modell wird dafür der Begriff „Beliefs“ verwendet. Auch Wertvorstellungen sind Teil des Eltern-Ichs.

Differenziert werden kann die kritische und die fürsorgliche Haltung des Eltern-Ich. Die Haltung kritisches Eltern-Ich kann in der positiven Ausprägung schützend wirken. Hier werden Grenzen gesetzt, die Sie vor Gefahren oder negativen Konsequenzen beschützen. In der negativen Ausprägung wird das kritische Eltern-Ich vorwurfsvoll, hemmend und ablehnend. Hier wird über Verhalten geurteilt und kritisch-herablassend abgewertet.

Die Haltung fürsorgliches Eltern-Ich steht für Hilfsbereitschaft, Ermutigung und Fürsorge. Hier übernehmen Sie Verantwortung für sich und Andere, versetzen sich in Andere hinein und versuchen zu verstehen und zu helfen. In der positiven Ausprägung ist diese Haltung liebevoll und tröstlich, und unterstützt den Anderen. In der negativen Ausprägung kann überfürsorgliches Verhalten bedrängend wirken, oder kann in Zynismus umschlagen.

Kind-Ich

Das Kind-Ich beinhaltet alle Erfahrungen, die Sie während der Kindheit (und auch später im Laufe des Lebens) gemacht haben und die Ihr Verhalten jetzt prägen. In der Haltung des Kind-Ich denken, fühlen und verhalten Sie sich so, wie Sie es in Ihrer Kindheit getan hätten.

In der Haltung freies Kind-Ich verhalten Sie sich dabei frei und spontan, ohne die kritische Beobachtung durch die Eltern. Sie sind kreativ, phantasievoll und voller Energie. Hier sind Sie an Ihren eigenen Bedürfnissen orientiert und unabhängig von den Wünschen und Vorstellungen Anderer. In der positiven Ausprägung dieser Haltung zeigt sich ein furchtloses, neugieriges und interessiertes Verhalten. Freude über Erfolg, wird genauso wie Enttäuschung über Misserfolg direkt und unmittelbar geäußert. In der negativen Ausprägung kann diese Haltung in rücksichtslosem und gefährdendem Verhalten resultieren.

In der Haltung angepasste Kind-Ich orientieren Sie sich daran, was Andere von Ihnen erwarten. Hier gehorchen Sie, folgen Anweisungen, halten sich an Regeln (auch wenn Sie nicht nachvollziehbar sind) und haben ein schlechtes Gewissen, wenn etwas nicht klappt. In der positiven Ausprägung dieser Haltung halten Sie sich dabei an Erwartungen, die Sie weiterbringen, Sie zu Leistung anspornen oder Ihnen gut tun. In der negativen Ausprägung schränkt Sie die (Über-)Anpassung an die Erwartungen Anderer ein, und führt zu Überforderung und Frustration.

In der Haltung rebellisches Kind grenzen Sie sich von den Wünschen und Erwartungen Anderer ab. Sie überschreiten bewusst Grenzen, widersetzen sich Regeln und Erwartungen und verhalten sich trotzig gegenüber Anforderungen. In der positiven Ausprägung setzen Sie damit Energie frei, um eigene Wünsche und Ideen umzusetzen. Das sorgt für Autonomie und stärkt Ihre eigene Identität. In der negativen Ausprägung gefährden Sie sich selbst, z.B. wenn Sie Vorteile oder Hilfe Anderer aus lauter Trotz nicht nutzen, oder negative Konsequenzen Ihres Verhalten in Kauf nehmen.

Erwachsenen-Ich

In der Haltung des Erwachsenen-Ich wird die Realität mit Anforderungen, Aufgaben und Begrenzungen beobachtet und klar analysiert. Daraus ergibt sich ein interessiertes und reflektiertes Verhalten, bei dem nüchtern und sachlich abgewogen wird. Dabei werden eigene Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt, mit Anforderungen von außen abgeglichen, und in der Diskussion mit Anderen ein Kompromiss gefunden. Gefühle sind dabei die direkte Reaktion auf Erleben im Hier und Jetzt.

Weiterführende Literatur

Berne, E. (2002). Spiele der Erwachsenen. 12. Auflage, Hamburg: Rowohlt (rororo).

Hagehülsmann, U. (1992). Transaktionsanalyse in Aktion: Transaktionsanalyse – wie geht denn das? Paderborn: Junfermann Verlag GmbH.