Wenn-Dann Pläne unterstützen die Selbststeuerung

Wenn-Dann Pläne können Ihrem Coachee dabei helfen, die Selbststeuerung auch in kritischen Situationen zu behalten. Wenn-Dann Pläne machen sich die Grundstruktur menschlichen Verhaltens zu Nutze. Ein bestimmter Auslöser (ein innerer oder äußerer Reiz) führt zu einem bestimmten Verhalten.

Denken sie kurz darüber nach, wie es ist, wenn sie nach dem Aufstehen ins Bad gehen und die Zähne putzen. Die meisten Menschen haben hier eine feste Routine, und überlegen nicht jeden Morgen neu, ob, wie und wann sie nach dem Aufstehen ins Bad gehen. Hier wird eine bestimmte Situation („Wenn ich aufgestanden bin und ins Bad gehe …“) mit einer bestimmten Handlung verknüpft („dann putze ich als Erstes meine Zähne.“). Es handelt sich hier also um Gewohnheiten, Routinen, automatisierte Handlungsabläufe. Ohne diese Routinen wären wir vermutlich mit unserem Leben überfordert.

Diese Grundstruktur kann Ihr Coachee im Bezug auf ein Ziel nutzen. Dazu unterstützen Sie Ihren Coachee im ersten Schritt herauszufinden, welche kritischen Situationen ihn davon abhalten könnten, ein Ziel zu erreichen, oder die eine bestimmte Handlung anregen, die seinem Ziel entgegen steht. Das ist der Wenn-Teil des Planes. Überlegen Sie dann im nächsten Schritt mit Ihrem Coachee, welche gewünschte Handlung im Bezug auf das Ziel in dieser Situation sinnvoll wäre. Das ist der Dann-Teil des Planes. In dem Wenn-Dann Plan wird also eine konkrete Situation und den in dieser Situation auftretenden auslösenden Reiz, mit einem bestimmten Verhalten verknüpft. Es kann dabei innere Reize geben („Wenn ich Ärger in mir hochsteigen spüre …“) oder äußere Reize („Wenn mein Kollege mich kritisiert …“), die mit einem Dann-Teil verknüpft werden kann („… dann atme ich dreimal tief durch und reagiere souverän.“).

Warum funktioniert diese Strategie?

Durch das genaue Planen der Wenn-Dann Struktur, werden spezifische Situationen aktiviert, die im „Wenn“-Teil des Planes stecken. Dadurch sind diese Situationen mental besser zugänglich, sie werden schneller und genauer wahrgenommen. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit werden damit geschult. Selbst wenn andere Dinge ablenken, bemerkt Ihr Coachee mit höherer Wahrscheinlichkeit, dass genau diese Situation relevant für das Ziel ist, und er deshalb genau jetzt reagieren muss, um das Ziel zu erreichen.

Gleichzeitig wird durch die Planung in der Wenn-Dann Struktur ein Verhalten, das zum Ziel führt, mental trainiert und dadurch automatisiert. Der Coachee muss nicht mehr ständig bewusst die Kontrolle über das eigene Handeln übernehmen. Die spezifische Situation, die im „Wenn“-Teil des Planes steckt, übernimmt gewissermaßen die Kontrolle und setzt die vorher geplanten Handlungsintentionen in Gang. Wenn-Dann Pläne unterstützen den Coachee dabei, die gesetzten Ziele und das dafür notwendige Verhalten mit spezifischen Situationen zu verknüpfen. Die Strategie wird aber nur funktionieren, wenn sich der Coachee mit seinem Ziel bereits in der Planungs-Phase befindet (Rubikon-Modell). Erst wenn das Ziel klar ist, macht es Sinn, an die Umsetzung zu gehen und spezifische Wenn-Dann Pläne zu schmieden.

Wirksamkeit von Implementation Intentions

Die Idee von Wenn-Dann-Plänen wurde unter dem Begriff Implementation Intentions vom Psychologen Peter M. Gollwitzer eingeführt. In zahlreichen Studien konnte der Nutzen von Implementation Intentions für das Erreichen eines Ziels gezeigt werden. Auch im Bezug auf die Regulation von Emotionen (“Wenn ich eine Spinne sehe, bleibe ich entspannt.”) belegen erste Studien die Wirksamkeit von Wenn-Dann-Plänen. Dabei ist der Einsatz von Wenn-Dann-Plänen nur in der Planungsphase sinnvoll, wenn also bereits eine Entscheidung getroffen wurde und es in der volitionalen Phase jetzt um die konkrete Umsetzung geht (Rubikon-Modell).
Wenn-Teil muss konkret sein

Wenn-Dann Pläne funktionieren am besten, wenn der Wenn-Teil genau spezifiziert ist. Die Situation sollte in der Vorstellung des Coachee möglichst detailliert sein. Ideal ist es, wenn es sich dabei um eine „typische“ Situation handelt, die im Bezug auf das Ziel wichtig ist. Wenn das Ziel z.B. lautet: „Ich möchte auf Angriffe meiner Kollegen entspannt und souverän reagieren!“, dann könnte eine Wenn-Situation die Folgende sein: „Einer meiner Kollegen kommt in mein Büro und knallt mir ein Dokument auf den Tisch. Dabei sagt er ironisch „Na, das haben Sie ja mal wieder ganz toll hinbekommen“. Dabei spüre ich, wie Ärger in mir hochsteigt.“ Diese Situation kann sich der Coachee sich klar und genau vorstellen. Wenn das Ziel ist, entspannt und souverän zu reagieren, stecken zwei Reize in der Situation. Der äußere Reiz „ironischer Kollege“ und der innere Reiz „Ärger steigt hoch“. Diese beiden Reize sind der Wenn – Teil des Planes.

Dann-Teil muss Verhalten des Coachee enthalten

Im nächsten Schritt wird der Dann-Teil formuliert. Hier ist wichtig, dass es sich um ein Verhalten handelt, dass der Coachee auch tatsächlich selbst in der Hand hat und deshalb selbst aktiv handeln kann. In diesem Beispiel könnte der Dann-Teil des Planes sein: „… dann stehe ich auf, hole einmal tief Luft und lächle in mich hinein“. Wie spezifisch der Coachee den Dann-Teil Ihres Planes formulieren, hängt vom konkreten Ziel ab. In diesem Fall ist der Dann-Teil des Planes zunächst auf den Aspekt „Ich reagiere entspannt.“ des Ziels bezogen. Sie könnten auch einen handlungsbezogeneren Dann-Teil formulieren, z.B. „… dann atme ich tief durch und sage: Ich habe gerade keine Zeit, komme aber nachher bei Ihnen vorbei.“

Der Wenn-Dann-Plan muss geübt werden

Wenn Sie im Coaching mit Wenn-Dann-Plänen arbeiten, erarbeiten Sie im ersten Schritt mit Ihrem Coachee einen genauen Plan und legen den Wenn- und Dann-Teil des Plans konkret und spezifisch fest. Für die Formulierung des Planes sollten Sie sich genügend Zeit nehmen, damit der Plan auch wirklich zum Coachee passt. Es ist hilfreich, wenn der Coachee den Plan notiert und einige Mal laut vorliest, um zu prüfen, ob der Plan passend ist. Damit der Plan dann wirksam ist, muss der Plan außerdem “geübt” werden. Dafür stellt sich Coachee einige konkrete Situationen vor, die in der Zukunft auf ihn zukommen werden und probiert das im Wenn-Dann-Plan festgelegte Verhalten aus. Dabei geht es auch darum, weitere mögliche Schwierigkeiten zu identifizieren, die den Plan gefährden könnten.

Quellen und weiterführende Literatur

Gollwitzer, P. M., & Brandstätter, V. (1997). Implementation intentions and effective goal pursuit. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 186–199

Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493–503.